Vom Marathon der Bürokratie und der Hilfsbereitschaft der Iraner

Eine (kurze) Beschreibung des (unendlich langen) bürokratischen Ablaufs, der die Überstellung unseres geliebten Kurtis vom Iran auf die arabische Halbinsel schildert.

Tag 1 Ticketkauf: Pantomime mit dem Hotelmanager um die Adresse des Ticketoffices herauszubekommen – Ticketoffice in der Stadt – hier gibts nur Tickets fuer Menschen nicht fuer Autos – zum Hafen – lange Diskussionen – zur Faehrgesellschaft – Geldwechseln in der Stadt – zur Faehrgesellschaft – zur Bank Geld einzahlen – Ticket fuer das Auto ausstellen lassen (ist eigentlich nur ein Brief und wir haben keine Ahnung was drauf steht ) – zum Ticketoffice in die Stadt – ewig warten – JUHU nach 7 Stunden haben wir alle drei Tickets eines fuer Kurti, eines fuer Fabian und eines fuer Marlies.

Tag 2 Einschiffen: Wir hatten mehr als 28 Stationen !!! zu ueberstehen bevor der Kurti auf das Schiff durfte. Von 8:00 bis 14:00 Uhr …. Ich erspare euch die Details. Ein ausgesprochen netter und hilfsbereiter Iraner hat uns bei dieser Tortur unterstuetzt und ohne ihn waeren wir wahrscheinlich heute noch im Iran. Die Hilfsbereitschaft hier ist unbeschreiblich. Reza hat uns nicht nur den halben Tag geholfen, er hat uns dann auch noch zum Mittagessen und zu Tee eingeladen. Natuerlich hat er bezahlt, waere doch eine Schande wenn wir ihn einladen wuerden. Hier gibt es keine Widerrede. Am Abend begleitete er uns dann natuerlich noch bis zur Faehre, wartet geduldig mit uns und winkt uns noch freudestrahlend hinterher. Man stelle sich solch eine Situation einmal in Oesterreich vor: zwei Iraner die ihr Auto nach Bratislava schiffen wollen. Wir würden uns wahrscheinlich eher verstecken als hinzugehen und unsere Hilfe anzubieten…

Da wurden Erinnerungen an Asterix und Obelix bei den Olympischen Spielen wach 🙂

 

Endlich Sommer … Bandar e Abbas und Hormuz

Wir sind wieder am Meer und haben ab jetzt wahrscheinlich den längsten Sommer unseres Lebens vor uns.

Von Bandar e Abbas aus besuchen wir die Insel Hormuz, einer der farbenfrohsten Orte, den ich je gesehen habe. Die Insel liegt direkt in der Meeresenge des persischen Golfes und lebt vom Abbau des hiesigen Roteisensteins. Die Berge glaenzen in allen erdenklichen Farben und bestehen hauptsaechlich aus Salz. Das alte, ehemals beeidruckende portugiesische Fort in Hormuz ist stark verfallen und auch die umliegenden Haeuser koennten einen neuen Anstrich benoetigen. Obwohl Winter ist, ist es schon sehr heiss. Kaum vorstellbar wie es im „echten Sommer“ sein muss.

Das waren unsere letzten zwei Stationen im Iran. Nun geht es ab in die Emirate! Zuvor mussten wir noch einen zweitaetigen buerkratischen Marathon ueberstehen.

Bam, Oida! Die verrücktesten Reisenden

Arg e Bam – Copyright Marlies Faulmann

Bam ist leider nicht nur wegen dem wunderschönen „Arg e Bam“ (siehe Foto) bekannt, sondern vor allem aufgrund des Erdbebens im Jahr 2003. Dieses Erdbeben hat innerhalb von wenigen Sekunden der halben Stadtbevölkerung das Leben gekostet und auch heute noch sind die Spuren dieser Tragödie deutlich sicht- und spürbar.

Der Wiederaufbau ist voll im Gange und besonders viel Energie wird natürlich in den Aufbau des Arg e Bam gesteckt. Ein schier endloses Unterfangen!!!

Wir haben natürlich bei Akbar English Mohammed geschlafen, einem Guesthouse mit einer über 40 jährigen Geschichte. Und wer glaubt, dass wir hier eine aufregende, abenteuerliche Reise machen… der irrt!!! Das Guestbook liefert Zeugnis über die verrücktesten Reisenden aus vier Jahrzehnten ab. Unsere Favoriten sind: ein 70 jähriger Japaner, der nach einer Krebsdiagnose und einer diagnostizierten Lebenserwartung von 5 Monaten genau fünf Jahre gebraucht hat um zu Fuß und immer noch rauchend Bam zu erreichen; eine Rollstuhlfahrerin aus den Niederlanden, die alleine die Welt umrollt oder auch ein taubstummer Fahradfahrer! Dagegen sind wir Wochendausflügler!

Wir waren länger in Bam als geplant weil es einfach kein Benzin .. IM IRAN?!!? Nach zwei Tagen gings dann trotzdem weiter Richtung Kaluts in die Wüste.

Eine Nacht in der Karawanserai

Nach unserer kurzen Kamelanekdote hatten wir aber dann doch noch Glück. Wir haben eine 400 Jahre alte Karawanserei mitten in der Wüste „entdeckt“ wo wir dann auch übernachtet haben. Besonders spektakulär war natürlich der Salzsee und für die zwei Fabians das Quad fahren 🙂

Und eigentlich haben wir uns mit den Kamelen dann auch wieder angefreundet.

Für Nachreisende: Wir sind von Kashan aus in die Wüste Richtung Maranjab gefahren. Man passiert ein Militärgebiet und anschließend noch einen Kontrollposten (Preis 40.000 Rial – 1 Euro).

Reisewarnung für den Iran

Das Außenministerium warnt explizit vor Reisen in die Grenzregionen zu Afghanistan oder auch Pakistan. Worauf man aber nicht hingewiesen wird ist eine ganz andere Gefahr. Sie sind rund 2 Meter groß, haarig und großlippig. Ja, Ihr wisst schon wen wir meinen, es handelt sich um die Spezies Camelus (Altweltkamele), eigentlich handelt es sich hier um Dromedare umgangssprachlich oft einfach als Kamel bezeichnet.

Copyright by Marlies Faulman – so ein hübsches Kamel

In einer weiten Wüstenlandschaft erblicken wir eine friedlich vor sich hingrasende Kamelherde. Und was machen vier Alpenländer wenn sie Kamele sehen: Ganz klar: aus dem Auto springen, Brot füttern, fotografieren und streicheln. Alles hat friedlich begonnen. Die lieben Kameldamen freuten sich zu Beginn sehr über die Leckerlis von Fabian.

Copyright_by_fabian-stamm_2013-01-10-_Kamele in der Wüste bei Maranjab

Blöderweise wurde der Kamelbulle eifersüchtig  … und dann passierte alles ganz schnell. Wutentbrannt nahmen der Bulle und sein Harem Fahrt auf und stürmte rücksichtslos auf uns zu – zuerst auf den Wiener Fabian, der schneller war …

iran_by_fabian-stamm_2013-01-10-_FST7040

Dann auf Marlies – die aufgrund des blöden Kopftuches in ihrer Sicht stark eingeschränkt war und die somit auch Gott sei Dank übersehen hat, dass der Bulle in ihren Kopf beißen wollte!

iran_by_fabian-stamm_2013-01-10-_FST7042

Zuletzt auf den Schweizer Fabian den er mit einer flinken Bewegung zu Boden warf um dann auf ihm herumzutrampeln (hiervon gibt es „leider“ kein Foto).

Copyright by Marlies Faulmann – Jagd auf Fabian

Unsere Schreie des Entsetzens schlugen den wilden Bullen aber in die Flucht!!! Als echter Fotograf hat Fabian während der ganzen Szene seine Kamera beschützt anstatt seine Hände zum Schutz seines Kopfes zu gebrauchen. Trotzdem kamen alle unverletzt mit dem Schrecken und der Lust nach Rache davon.

Ein Kamelburger musste für unsere Rachegelüste herhalten!

Copyright by Marlies Faulmann – Rache schmeckt gut


Wir reisen jetzt zu viert!

Copyright by Fabian Stamm

Fabian und Franziska aus der Schweiz begleiten uns seit zwei Wochen durch den Iran.

Wer sich die Fotos von unserem Kurti einmal genauer angesehen hat, konnte feststellen, dass unser Kurti ein Zweisitzer ist.  Wir haben daher unsere Benzinkanister zu Sitzplätzen umgebaut und gurten uns mit Karabinern an…

!!! Falls jemals jemand vor hat eine solche Reise zu machen, dann NIE NIE NIE ohne Rücksitze!!!

 

Skifahren im Iran???

Skifahren im Iran, das ist mehr als nur Wedeln und Hüttengaudi, es ist ein Synonym für Freiheit und Lebensfreude. „Hier ist alles besser, hier ist man freier, wir kommen so oft wie möglich hier her … “ so eine junge, offensichtlich wohlhabende Iranerin. Warum die Revolutionsgarden nicht so weit in die Berge kommen ist unklar, aber so war es angeblich schon immer. Frauen tragen Hauben statt Kopftücher, Röcke werden gegen Skihosen getauscht und der Zanjan (DAS Auto im Iran) macht teuren europäischen Wägen und SUVs Platz. Wir sind in einem anderen Iran gelandet. Abgesehen von den „Retro-Liften“ und den fehlenden alkoholischen Getränken in den Skihütten ist hier alles wie im Zillertal … wenn nur der Muezzin nicht wäre.

Das Skigebiet ist zwar klein, aber wegen der extrem niedrigen Luftfeuchtigkeit für seinen einzigartigen Pulverschnee bekannt. Außerdem bietet es eine willkommene Flucht aus der Smoghölle Teheran.

Ein Grenzerlebnis – von schlechter Vorbereitung und dem Joker

Wir haben uns für diese Reise ein paar Regeln vorab ausgemacht. Zum Beispiel „Wir fahren nicht bei Dunkelheit“ oder „Der Konjunktiv ist auf dieser Reise verboten“. Also: Hätti, wari, wäri, würdi adé!

Zusätzlich haben wir auch noch einen „Joker“ eingeführt. Jeder von uns hat pro Monat einen Joker zur Verfügung. Zieht man seinen Joker muss der andere auf jeden Fall nachgeben bzw. hat egal bei welchem Streit Recht. Und nun war es soweit. Nach 8 Reisewochen hat Fabian seinen ersten Joker gezogen.

Folgende Horrorsituation hat ihn dazu veranlasst: 

Das Überqueren der iranischen Grenze ist kein Honiglecken. Unzählige Formulare müssen ausgefüllt, das Carnet de Passage richtig abgestempelt und die Grenzbeamten bestochen werden. Wir einigten uns auf folgende Arbeitsteilung: Ich verhalte mich unauffällig und bleibe im Auto und Fabian macht den Rest. Soweit so gut. Bei der Passkontrolle musste ich dann aber doch das Fahrzeug verlassen. Worauf ich von den Grenzbeamten sofort freundlich auf meine „fehlende Popschbedeckung“ hingewiesen wurde. Ich hatte zwar ein Kopftuch auf, aber bei meiner Vorbereitung habe ich anscheinend überlesen, dass Frau hier nicht nur ein Kopftuch tragen muss sondern auch noch ihren „Allerwärtesten“ verstecken muss. Meine Jogginghose erfüllte dieses Kriterium leider nicht. Mangels passender Kleidungsstücke wie zum Beispiel einem Mantel, Rock oder Kleid wollte mir mein lieber Gemahl einfach ein Handtuch um die Hüften binden!!

Tja, und da brannten mir die Sicherungen durch. In einem Anfall von feministischem Eifer und Eitelkeit verkündete ich lautstark: „Nicht mit mir, ich binde mich sicher kein Handtuch um, da kannst Du machen was Du willst!!!“. Unsere mittlerweile lautstarke Diskussion erregte einiges an Aufmerksamkeit und so zog Fabian ganz selbstlos seinen wertvollen Joker um die Situation zu retten. Ich bin also kleinlaut, innerlich vor Wut kochend bis zur Passkontrolle mitgegangen (2 Meter vom Auto entfernt) habe mich aber geweigert auch nur einen Schritt weiterzugehen. (Immerhin habe ich ja ausgesehen wir ein Kasperl: rosa/graues Kopftuch, blauer Pullover, rotes Handtuch, schwarze Hose… )

2 Tage später habe ich meiner Überreaktion eingesehen und Fabian hat auch seinen Joker wieder bekommen 🙂 Ende gut, alles gut!

30 Tage Kopftuch – Wir sind im Iran

Salam Türkei wir fahren in den Iran

Am 29.12.2012 haben wir die Grenze in den Iran überquert und seitdem haben uns die Iraner in Ihren Bann gezogen. Trotz der derzeit schwierigen Umstände begegnen uns die Menschen mit einer mir bisher unbekannten Freundlichkeit und Gastfreundschaft. 6 Tage im Iran und wir wurden zu Tee, Abendessen im Familienkreis, einer Bergbesteigung, einem Tagesausflug, zwei Übernachtungen inkl. Sightseeingtour und einem Mittagessen inkl. Sightseeingtour eingeladen. Die Eindrücke die wir gesammelt haben, die Geschichten und Schicksale haben mich zutiefst berührt.

Noch nie habe ich ein Land bereist, das mir und meiner Kultur fremder ist. Die Pflicht ein Kopftuch und Hidschab (lose Kleidung, welche die Figur nicht betont) zu tragen ist nur ein kleines Beispiel. Gerade am Anfang konnte ich mich kaum daran gewöhnen in der Öffentlichkeit, also beim Essen, Kaffeetrinken, Spazierengehen – IMMER – ein Kopftuch zu tragen und darauf zu achten, dass es nicht verrutscht – NIE!!! Hierzu ein erster Eindruck meiner Kopftuchkünste :-). Dank der lieben Arefeh sehe ich immerhin fast so hübsch aus wie die echten Iranerinnen.

Fotos, Geschichten und vieles mehr folgt sobald wir eine bessere Internetverbindung haben.