Tirana – Happy Birthday Skiperia

Kunstgalerie Tirana

In Tirana besuchten wir die staatliche Kunstgalerie, ein unscheinbares, leicht abgegriffenes Museum aus der kommunistischen Periode im Zentrum der Stadt. Es bietet eine willkommene Flucht aus der ohrenbetäubenden Geräuschkulisse der Stadt. In vollkommener Stille – wir waren die einzigen Besucher – kann man u.a. 200 Ölgemälde aus der Epoche des real existierenden Sozialismus besichtigen. Diese verbildlichen mit viel Pathos und einfacher Bildsprache die Ideale einer Gesellschaft, die nicht nur aus einer anderen Zeit sondern auch von einem anderen Planeten stammen müssen. Hier werden Arbeiter dargestellt, die mit großem Stolz und strengem Blick Hochöfen bedienen, Stromleitungen legen und Straßen bauen. Hier sieht man Soldaten, die Bücher lesen und den Bauern beim bestellen ihrer Felder helfen. Hier sieht man große starke Frauen, die als Ingenieure Atomkraftwerke planen und in den Umgang mit dem Gewehr eingeschult werden; junge Familien, die am Sonntag einen Ausflug in die intakte Bergwelt machen. Arbeit und Bescheidenheit werden propagiert.

Der Kontrast zum real existierenden Kapitalismus, der in den Strassen der Stadt gelebt wird, könnte größer nicht sein. Der meist bescheidene Wohlstand wird unverblümt zur Schau gestellt. Diese Stadt hat die höchste Dichte an Luxusautos, die ich je gesehen habe. Juweliere, Spielkasinos und Modegeschäfte reihen sich aneinander. In unzähligen Cafehäusern verbringen junge Männer ihre Tage beim ‚dolce fa Niente‘. Wenn da nicht ständige Stromausfälle und metertiefe Schlaglöcher wären, Müllberge an den Strassenseiten und Kinder, die in Müll wühlen, dann könnte man meinen man wäre in einem sehr reichen Land.

Während unserem Aufenthalt wurde der Nationalfeiertag des hundertsten Bestehens des Landes gefeiert. Die Stadt wurde in ein Meer von roten Fahnen getaucht. Jedes Auto, jedes Geschäft, jedes Haus wurde mit damit verziert. Schon nach kurzer Zeit erscheint einem diese pompöse Aufmachen als verzweifelter Versuch den Albanern, von denen mehrere Millionen ihrer Heimat den Rücken gekehrt haben, Patriotismus einzuhauchen. Da stellt sich natürlich die Frage: Was benötigt eine Nation? Was schafft Identität? Üblicherweise eine Währung, eine Hymne und eine Fluglinie. Was mir in Albanien klar wurde, ist dass für einen ausgeprägten Patriotismus auch ein Nationalheld und ein Gründungsmythos vonnöten sind, vor allem wenn die Nation, wie im Falle von Albanien, über weite Strecken der Geschichte nie als eigene Nation existierte. Also suchte man in der Geschichte nach einem einigermaßen erfolgreichen Feldherren, der den Kriterien der Stellenbeschreibung einigermassen gerecht wird. Die Wahl fiel auf Skanderbeg, einen heroischen Krieger, der 25 Schlachten gegen die Ossmanen für sich entschied. Noch heute zeugen die 25 Schwanzfedern in dem Wappen der albanischen Nationalflagge von diesen heroischen Taten. Der identitätsstiftende Kampf gegen die Türken erinnert an die Art und Weise wie in Wien in den Volksschulen die Türkenbelagerungen als das prägendste singuläre historische Ereignis der Stadt gelehrt wird. Dabei haben die Albaner von den Türken Religion und ihre schönste Stadt, Berat, vermacht bekommen.

Apropos Wien: in unserer geliebten Heimatstadt sind irgendwo in den unendlichen Sammlungen der Habsburger neben dem Federschmuck des Montezuma auch der Helm und das Schwert von Skanderbeg gelandet. Seit Jahren wird von den Albanern gefordert es zurückzugeben. Für die Hundertjahrfeier hat es unser Aussenminister mitgebracht und dem Nationalmuseum für ein paar Monate geliehen. Von einem derartigen Besucheransturm (siehe Foto) kann das Kunsthistorische Museum bzw. das Völkerkundemuseum nur träumen…

 

Bosnien und Herzegowina

 

Unser Weg führt uns über Moster, bekannt aufgrund seiner Brücke von der sich junge Menschen für Geld ins Wasser stürzen, weiter nach Sarajevo. Auf unserem Weg sehen wir unzählige Überreste des Jugoslawienkrieges. Mostar hat es besonders hart getroffen. Viele Häuser sind immer noch zerstört, das Umland vermint und auch die Menschen scheinen sich noch nicht erholt zu haben, die Arbeitslosigkeit hier liegt bei über 60%.

Sarajevo, in dieser Stadt sind die wechselnden Herrschaftsverhältnisse, die im Laufe der Jahrhunderte geherrscht haben, besonders deutlich sichtbar. Unzählige osmanische Friedhöfe, Moscheen und ein altes Stadtviertel zeugen von dem Jahrhunderte überdauernden türkischen Einfluss. Die Donaumonarchie hinterließ Prachtbauten, Brücken und eine elektrische Strassenbeleuchtung. Der Ort, an dem der Thronfolger Franz Ferdinand erschossen wurde, was zum ersten Weltkrieg und in weiterer Konsequenz zum Ende der Monarchie führte, ist durch eine kleine Tafel gekennzeichnet. Der Krieg, der das Ende von Jugoslawien bedeutete, hinterließ hingegen an unzähligen Hausfassaden und Strassen seine Spuren, welche auch bald zwei Jahrzehnte nach der Belagerung der Stadt noch nicht ausgebessert wurden. Seitdem Sarajevo Hauptstadt von Bosnien und Herzegovina ist scheint sich die Stadt gefangen zu haben

Montenegro – wir kommen wieder!

Montenegro hat uns beeindruckt und ist bis dato sicher eines unserer Highlights. Kaum ein Land dieser Größe bietet ein derartige landschaftliche Vielfalt. Unsere Reise hat uns durch die Bucht von Kotor, durch den Nationalpark Lovce, an den Skadarsee und wieder ans Meer mit weißen Sandstränden geführt.

Kaum haben wir die Grenze zwischen Kroatien und Montenegro erreicht, erblicken wir auch schon eine wunderschöne Bergkulisse am Horizont. Zunächst schlängeln wir uns noch entlang der Meeresküste , aber schon bald tauchen wir ein in die fjordähnliche Bucht von Kotor. Rasch finden wir eine schöne Unterkunft und spazieren noch durch die verwinkelten Gassen, genehmigen uns ein Bier und lassen den Abend ausklingen.

Den nächsten Tag starten wir sportlich mit einer Wanderung zur Burgruine von Kotor. Am Vortag wäre ich noch jede Wette eingegangen, dass man überhaupt nicht hinaufgehen kann, weil es soooo steil ausgesehen hat. Falsch gedacht! Unzählbar viele Stufen führen tatsächlich bis zur Burg.

Unser nächstes Ziel heißt Skadar See. Hierfür wähle ich eine Route „querfeldein“, die über zig Serpentinen und durch zwei Nationalparks ans Ziel führen soll. Zu meinem Glück verfahren wir uns nicht, die Straßen sind in ausgezeichnetem Zustand und das Wetter spielt auch mit. Die Aussicht ist beeindruckend und ich beglücke Fabian fünf Stunden lang mit  lautem Stauen, zeigen, Oh und Ah sagen, fotografieren und filmen. Es ist ein wunderbarer Tag der am Skadarsee im Hotel Pelikan (an dem Hotel kommt glaube ich niemand vorbei, der Besitzer steht auf der Strasse und passt alle ab – war aber eigentlich sehr nett) endet.

Am folgenden Tag machen wir noch, gemeinsam mit einer australischen Familie die ebenfalls auf „Weltreise“ ist (also von wegen jetzt oder nie), eine Bootsfahrt. Wir verabschieden uns und fahren wieder an die Küste. In Ulcinj verbringen wir die Nacht am Campingplatz (Safari Beach) mitten am Strand, fast allein. Aber Bilder sagen wohl mehr als all die Worte:

Kroatien – wir fahren in die Sonne

 

Als erste Destination unserer Reise haben wir Opatija, einen malerischen Ort an der Küste Kroatiens gewählt. Einerseits ist sie nur wenige Autostunden von Wien entfernt und angenehm spätsommerlich andererseits versprüht dieser Ort den vertrauten Duft der Donaumonarchie, was sich als leichter Einstieg in unser Abenteuer durch fremde Länder erwies. Beim Flanieren entlang der Esplanade mit seinen unzähligen opulenten Prachtvillen kann man sich lebhaft vorstellen wie hier vor hundert Jahren aristokratische Familien der Donaumonarchie ihre Sommerfrische verbrachten.

Ein erquickendes Sonnenbad, ein ausgedehnter Spaziergang, ein herrliches Fischgericht und die angenehme Ruhe der Nebensaison ließen uns die letzten hektischen Tage vor der Abreise vergessen und versetzten uns in einen Zustand der Vorfreude.

Hier noch ein paar persönliche Worte von meiner Wenigkeit. Tatsächlich wollte ich in der Steiermark übernachten, da wir vor Antritt unserer Reise vereinbart hatten nicht bei Dunkelheit zu fahren. Fabian hat sich aber vehement dagegen gewehrt den ersten Stopp bereits in Fürstenfeld einzulegen. Wie man sieht: er hat sich durchgesetzt! 

Nach unserem Luxus-Aufenthalt in Opatije (4 Sterne Hotel :-)) sind wir entlang der adriatischen Küste nach Split gefahren, haben unsere erste Nacht im Dachzelt verbracht und sind dann weiter nach Mostar und Sarajewso gedüst. Hierzu wird es einen eigenen Artikel geben. Anschließend hat uns unser Weg wieder zurück nach Kroatien (für mich das Land der Mandarinen) bis nach Dubrovnik geführt. Dubrovnik wird seinem Namen – die Perle der Adria – mehr als gerecht. Es war ein besonderes Erlebnis eine solche Stadt ohne Touristen und so authentisch erleben zu dürfen.

Besonders war auch der Freudentaumel der Kroaten anlässlich des Freispruches von Ante Gotovina. Als uns die ersten Autos anhupten und mit Fahnen an uns vorbei fuhren, dachte Fabian natürlich erst an ein gewonnenes Fussballspiel und ich natürlich an eine Hochzeit … in Mostar konnte ein Touristenguide das Geheimnis für uns lüften.

Hier einige Fotos von unserem Kroatien Aufenthalt: