Von religiösem Wahn und dem zweiten Joker

So und jetzt ist es doch passiert: Ich habe meinen ersten Joker gezogen. Nach etlichen Tagen am Strand in Varkala wars genug der Ruhe und um meinen herzallerliebsten Reisepartner zu einem Ausflug zum hiesigen „Elefantentempelfestival“ zu bewegen, trotz Hexenschuss und Lustlosigkeit wohlbemerkt, habe ich von diesem drastischen Mittel der Überzeugung Gebrauch gemacht… und soviel vorweg ich wurde nicht enttäuscht!!!

Die Größe und Wichtigkeit eines Tempelfestes wird in Kerala anscheinend anhand der daran teilnehmenden Elefanten gemessen und obwohl nur drei dieser mächtigen Tiere anwesend waren, war das Fest für mich das Highlight unserer bisherigen Indienreise…

Wir wurden Zeuge eines absurden religiösen Festivals und ich konnte beim Anblick der sich selbst Schmerz zufügenden jungen Männer meinen Augen kaum trauen … „Ja, die hängen tatsächlich an Haken und haben einen Speer durch ihre Wangen gebohrt…!!!“. Welcher Gott auch immer hierfür verantwortlich ist, kann nicht ganz dicht sein. Voltaire hat also Recht: „Wer dich veranlassen kann, Absurditäten zu glauben, der kann dich auch veranlassen, Gräueltaten zu begehen.“ Die Bilder sprechen für sich.

Tempelfest – Copyright Marlies Faulmann

Tempelfest in Varkala – Copyright Marlies Faulmann

Tempelfest in Varkala – Copyright Marlies Faulmann

Nach der religiösen Selbstzerstörung fing der Umzug an… gleich zu Beginn waren natürlich die festlich geschmückten Elefanten, gefolgt von wildgewordenen Trommlern, sich verrückt im Kreis drehenden Tänzern, einer Blasmusikkapelle und exotischen Götterfiguren. Warum die Elefanten bei dem ganzen Wirbel nicht ausflippen ist und bleibt mir ein Rätsel… wie so Vieles hier in Indien.